Vom Lockdown zum Lockerungsstreit: Diese Corona-Berichterstattung wünschen sich Leser jetzt in ihrer Lokalzeitung

Nach Wochen harter Ausgangsbeschränkungen, hat sich der Alltag für viele Menschen wieder etwas normalisiert. Geschäfte, Schule und teils sogar Ferienwohnungen öffnen ihre Türen. Dafür wird der Ton zwischen Befürwortern und Gegnern der Maßnahmen schärfer. Wir haben wieder einen Blick auf die Lesewerte geworfen und uns mit lokalen Chefredakteuren aus dem Bundesgebiet ausgetauscht. Hier finden Sie einen Überblick, über Themen, die die Leser in dieser Phase besonders interessieren.

Nach Wochen harter Ausgangsbeschränkungen, hat sich der Alltag für viele Menschen wieder etwas normalisiert. Geschäfte, Schule und teils sogar Ferienwohnungen öffnen ihre Türen. Dafür wird der Ton zwischen Befürwortern und Gegnern der Maßnahmen schärfer. Wir haben wieder einen Blick auf die Lesewerte geworfen und uns mit lokalen Chefredakteuren aus dem Bundesgebiet ausgetauscht. Hier finden Sie einen Überblick, über Themen, die die Leser in dieser Phase besonders interessieren.

Der Alltag kehrt zurück

Die Öffnung der Geschäfte soll die Wirtschaft wieder in Sprung bringen. Doch macht es überhaupt Freude, unter diesen Bedingungen einkaufen zu gehen? Und bin ich beim Shoppen sicher? Das Thema Einkaufen bewegt die Leser, zeigen unsere Zahlen. Artikel über lange Schlangen vor Möbelhäusern, die Herausforderungen der lokalen Einzelhändler und Tipps für einen stressfreien Ausflug in die Innenstadt kommen in dieser Corona-Phase besonders gut an. Ähnliches gilt selbstverständlich auch für andere Dienstleister. Was muss ich beachten, wenn ich zum Friseur gehe? Darf mein Physiotherapeut den Home-Office geplagten Rücken massieren? Fällt die Fahrschulprüfung meiner Tochter jetzt aus? Die Themen liegen auf der Straße. Greifen Sie ruhig zu!

Mobilität: Wochenlanger Lockdown, das öffentliche Leben lag völlig still. Und wie sah es bei den Anderen aus? Begleiten Sie die Rückkehr in das normale Leben in Ihrer Stadt oder Gemeinde mit kreativen und gerne auch datengestützten Mitteln. Über anonymisierte Bewegungsprofile etwa können Sie Ihre Leser daran teilhaben lassen, wie sich die Straßen wieder Stück für Stück füllen. Und wer weiß: Die einen oder anderen überraschenden Zahlen sind sicher dabei, auch lassen sich so gut die Hotspots und Treffpunkte in Ihrem Verbreitungsgebiet darstellen.


Gastronomie, Zoos, Freibäder: Im Sommer schnell ins kühle Nass oder am Sonntag mit den Kids das neue Giraffenbaby bewundern. Jetzt zieht es die Menschen verständlicherweise erst recht in die beliebten Freizeiteinrichtungen. Hieraus lassen sich viele Geschichten machen, die auch mit Informationen zum aktuellen Stand bezüglich Einlass und Hygiene angereichert werden sollten. Verlieren Sie dabei gleichzeitig nicht die Branchen aus dem Blick, die noch immer vom Shutdown betroffen sind. Denn zum Sommer gehört neben Freibad und Eisdiele schließlich auch der Biergarten und die griechische Taverne mit dem guten Zaziki.

Themen, die gerade jetzt, aber sonst nicht immer Lesegaranten sind:

 

Sonderfall Beerdigungen und Friedhöfe:

Wer trauert, möchte dies gemeinsam tun. Familie und Freunde geben schließlich unermesslich Halt. Corona jedoch hat die Umstände von Beerdigungen und Friedhofsbesuchen grundlegend verändert — wie im Einzelfall, das möchten die Leser wissen. Ein Thema, das sonst nur bedingt funktioniert, aktuell aber auf hohes Interesse stößt.


Ähnlich sieht es beim Thema Schule aus, das im Normalfall vor allem Eltern, seltener Großeltern von Schulkindern anspricht. Bei anderen Lesern, vor allem in der im Print üblicherweise eher älteren Generation, fehlt häufig die persönliche Betroffenheit. Corona schlägt in diesem Fall eine Brücke zur Lesermehrheit. Achten Sie nur darauf, die Schnittpunkte von Gesellschaft und Schule, sowie Konflikte ausreichend zu fokussieren. Es bietet sich zudem an, sich seinen Lesern über emotionale Erzählweisen zu nähern.

Politik, Proteste und Diskurs

Je weiter die Pandemie voranschreitet und je stärker gelockert wird, desto heftiger entfachen sich auch die Debatten und Konflikte in Politik und Gesellschaft über richtige und falsche Maßnahmen. Die Diskussionsfreudigkeit nimmt zu, auch das Leserinteresse geht vermehrt in diese Richtung. “Die Leser werden immer kritischer und fordern zunehmend Lockerungen”, beobachtet Bernd Ernemann vom Münchner Merkur. Mit meinungsstarken Beiträgen, Experteninterviews und Bürgerbefragungen können Sie diesen Wandel transparent und anschaulich abbilden. Wichtig: Beobachten Sie die Top-Themen, die auch in sozialen Netzwerken und im politischen Diskurs kursieren. Gut gelesen werden zum Beispiel Artikel rund um Maskenpflicht, Corona-Tracking-Apps oder Immunitätstests.

Besonders kontrovers: Teils illegale Corona-Proteste unter dem Deckmantel von Verteilaktionen oder Spaziergängen, die in zunehmendem Maße von Akteuren aus dem extremistischen Spektrum veranstaltet werden. Hier lohnt es sich, Personen und Motivationen zu hinterfragen, Stimmungen einzufangen und Lesern eine Einordnung dieser neuen Demonstrationen zu geben. Scheuen Sie generell auch keine Kommentare mit klarer Haltung zu allen Fragen geplanter Corona-Beschlüsse und Strategien.

Weitere Tipps und Anregungen:


Digitalisierung: Durch Corona wurden viele Behörden zum schnellen Umstieg auf digitale Angebote gezwungen. Was läuft gut, was hakt noch immer?
Familie und Nachbarschaft: Die Kinder waren über Wochen zuhause, viele Menschen standen unter Quarantäne und benötigten Unterstützung von außerhalb. Wo sind Konflikte entstanden, wo ist neuer Zusammenhalt entstanden?
Lokale Kultur: Eigentlich ein Nischenressort, doch über Kulturbetriebe wie (Auto-)Kinos, Büchereien und Schausteller lohnt es sich zu berichten — wenn Alltagsrelevanz und/oder Emotionalität gegeben sind.
Arbeit und Wirtschaft: “Unsere Leser beschäftigen die Spätfolgen von Kurzarbeit”, erzählt Joachim Braun, Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung. Generell erzielten Texte zur Arbeitslosigkeit durch Corona in letzter Zeit gute Werte. Rechtliche Fragen, etwa zum Home-Office, sind ebenfalls gefragt, weil alltagsnah.

Themen außerhalb von Corona: “Wir merken, dass andere Themen seit dieser Woche wieder mehr Reichweite generieren”, so Carsten Heil, stellvertretender Chefredakteur der Neuen Westfälischen. Obwohl das Interesse an Corona weiterhin gleichbleibend hoch ist, wünschen sich mehr Leser auch wieder Abwechslung. Gute Quoten erzielten Artikel über Wetter, Landwirtschaft, das Kriegsende vor 75 Jahren und der neue Bußgeldkatalog. So hat zum Beispiel die Redaktion der Rheinpfalz in Landau den Praxistest gemacht: Haben Autofahrer auf den Straßen der Stadt angesichts der neuen Abstandsregeln überhaupt noch eine Chance, Radfahrer zu überholen, ohne ein Bußgeld zu riskieren? Ergebnis: Aud schmaleren Straßen ist das nun unmöglich. Eine tolle Idee, die sich leicht kopieren lässt.

Diese drei Regeln helfen immer bei der Themenfindung

Auch wenn sich die äußeren Umstände ändern und sich der inhaltliche Fokus verschiebt: Weiterhin gelten für die Corona-Berichterstattung jene drei goldenen Regeln, die wir in den letzten zwei Monaten anhand der Lesewert-Daten aufgestellt haben. Gut zu wissen: Die Grundsätze dahinter begleiten uns im Coaching von Zeitungsredaktionen bereits seit Jahren. Sie zu beachten ist im journalistischen Alltag also stets ein Gewinn — ob mit Krise oder ohne.


Regel 1: Die Leserperspektive einnehmen
Um zu wissen, was gelesen wird, sollten Redakteure ihre Perspektive wechseln — und sich fragen, welche Sorgen, Probleme und Herausforderungen ihre Zielgruppe derzeit umtreibt. Relevante Texte sind personalisiert, aus dem Leserblick erzählt und bieten Erklärungen und Einordnungen an, die einen Mehrwert für den Konsumenten darstellen. Je näher ein Aspekt der Corona-Berichterstattung am Leben und am Alltag der Menschen ist, desto mehr Leser steigen ein.


Regel 2: Muss-Themen
Neben unterhaltsamen Themen (Kann-Themen), gesellschafts- und bildungsrelevanten Themen (Soll-Themen) sind es vor allem die Muss-Themen, die Alltagsnähe und daher eine gewisse Dringlichkeit für den Einzelnen besitzen, die in der Corona-Berichterstattung eine wichtige Rolle spielen.


Regel 3: Lösungen anbieten
Die Menschen müssen sich derzeit gefühlt jeden zweiten Tag auf veränderte Corona-Gebote und Verbote, auf Lockerungen und Teillockerungen einstellen. Was übrig bleibt: Unsicherheit. Bieten Sie Ihren Lesern Orientierung, führen Sie sie mit guten, strukturierten Informationen durch die Wirrungen des Alltags. Konstruktive Berichterstattung hat momentan Konjunktur.

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