Lokaljournalismus abseits von Corona: Welche Muss-Themen jetzt funktionieren

In vielen deutschen Zeitungsredaktionen herrscht Verunsicherung. Einerseits kann der Lokaljournalismus in der Corona-Krise seine vollen Stärken ausspielen und Menschen in der Region schnell und aktuell mit für sie relevanten Informationen versorgen. Doch auch Sorgen treiben Redakteure dieser Tage um: Durch die Einschränkung des öffentlichen Lebens gibt es außerhalb von Corona, so scheint es, nur wenig Berichtenswertes. Doch wir können mit aktuellen Beispielen zeigen, welche Themen trotz Terminmangel und geplatzter Recherchen umsetzbar sind — und beim Leser funktionieren.

Es muss nicht immer Corona sein. Selbstverständlich ist es die Aufgabe von (Lokal-)Journalismus, jene Prozesse abzubilden, die den Alltag der Menschen maßgeblich bestimmen. Und der aktuellen Situation sollte dementsprechend auch ein Großteil der Berichterstattung gewidmet werden. Nicht zuletzt, um dem eigenen Anspruch der voll umfänglichen Informationsabdeckung gerecht zu werden. Doch auch in Krisenzeiten geht der Alltag der Menschen weiter, wenn auch in teils anderer Form.


Auch bleiben zukünftige Herausforderungen in der Gesellschaft bestehen, sei es Digitalisierung, der Ausbau der Infrastruktur oder die Frage der sozialen Gerechtigkeit. Dass die Leser es geradezu einfordern, dies nicht aus dem Blick zu verlieren, zeigen die hohen Lesewerte unserer Beispiele. Im ersten Teil widmen wir uns den Muss-Themen, also den Themen, die für die Leser absolut alltagsrelevant sind.

Sicherheit bleibt Muss-Thema: Leser haben Bedürfnis nach Information und Aufklärung

Auch wenn vieles geschlossen hat: Gewalttätige Übergriffe in der Öffentlichkeit kommen leider trotzdem immer wieder vor — und die Leser wollen über diese Vorfälle informiert werden. Die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung in Radebeul berichtete am 16.3. über vermehrte Angriffe auf Zugbegleiter (PLUS). Viele Leser pendeln — und nutzen dabei auch weiterhin täglich den öffentlichen Nahverkehr. Sicherheit hat für sie hier höchste Priorität.

Das gilt besonders, wenn es um die eigenen Kinder geht. In der Lokalausgabe der SZ Meißen, ebenfalls vom 16.3., thematisiert Redakteur Jürgen Müller einen  Bahnhof im Landkreis, auf dem viele Jugendliche eine Abkürzung über die Gleise nehmen (PLUS). Eine “tödliche Gefahr”, auf die die Bundespolizei mit einer Präventionskampagne und mehr Kontrollen reagiert. Und ein Thema, um das verantwortungsbewusste Eltern nicht herumkommen.

Ein Bericht der SZ-Lokalredaktion Dresden vom 16.3. über eine “Massenschlägerei an Oberschule Cossebaude” (PLUS) vom selben Tag gewann ebenfalls überdurchschnittlich viele Leser. Der strukturierte Text beantwortet die wichtigsten Fragen und bezieht relevante Akteure ein (Polizei, Schulleitung, Eltern).

Wer sich und sein Umfeld vor Betrügereien schützen muss, sollte auf dem neuesten Stand sein. Dass falsche Polizisten auch in der Region immer dreister dabei vorgehen, Senioren um ihr Erspartes zu bringen, verfolgt die Meißner SZ-Redaktion konsequent in einer eigenen Artikelserie (PLUS). (“Der doppelte Polizistentrick” vom 16.3.). Fazit: Eine starke Tagesausgabe, die auch außerhalb von Corona auf große Leserresonanz stößt.

Katastrophen, Unglücke, Feuer

Das Virus bringt drastische Folgen mit sich, verhindert jedoch nicht, dass auch andere schlimme Dinge passieren. Wenn für den Mantel ein Erdbeben in Kroatien ein absolutes Muss-Thema ist, dann sind es im Lokalen Brände und Autounfälle. Zwar schwelt schon länger eine Debatte um die Frage, wie detailliert hier berichtet werden sollte, doch die Werte zeigen immer wieder: Die Leser wollen informiert sein. Und in Zeiten von Corona ist endlich auch Zeit, um dem neuerlichen Ausbruch von Feuer in der Fabrik eines örtlichen Automobilzulieferers inmitten der Stadt den erforderlichen Platz frei zu halten, wie es die Rheinpfalz Speyer am 23.3. getan hat. Lobenswert: Die Löschaktion begleitete die Redaktion online mithilfe eines Live-Tickers.

Müll und Lärm: Jetzt ist Zeit für neue Wege

Corona bedeutet Stillstand, sagen manche. Corona bedeutet nur eine Atempause, wissen wir Redakteure. Denn das öffentliche Leben wird nicht ewig stillgelegt sein. Der Sommer rückt näher und mit ihm auch die Zeit des Grillen und Feiern in Parks, Straßen und an den Seen. In der Stadt heißt das auch: Laute Partygänger, zersplitterte Glasflaschen, genervte Anwohner und Lokalbesitzer.


Dieses Problem bringt im Dresdner Szeneviertel Neustadt schon seit Jahren die Wut vieler zum Kochen. Lösungen wurden bisher nicht gefunden. Grund genug für die Dresdner Lokalredaktion, ihren Lesern das Thema in einem wohl strukturierten Frage-Antwort-Stück (PLUS) wieder ins Gedächtnis zu rufen — mit großem Erfolg. Denn auch die Leser wissen: In den kommenden Wochen kann der eine oder andere Baustein für spätere Neuentwicklungen gelegt werden.

Jede Region und Jahreszeit hat ihre Traditionen. Und die werden immer mehr in Frage gestellt, insbesondere wenn sie mit Umweltbelastung und Lärm einhergehen. Die Rheinpfalz Neustadt beschäftigt sich bereits seit mehreren Wochen mit der Frage, ob sogenannte Drückjagden unter dem Einsatz von Feuerwerkskörpern ethisch und sicherheitstechnisch vertretbar sind. Ein Thema, dass unter den Menschen in der Region gerade heftig diskutiert wird und deshalb hohe Lesewerte erzeugt — auch in Corona-Zeiten. Das Format, ein Interview mit einem ortsansässigen Jäger, schafft Transparenz und zeigt eine der verschiedenen Positionen innerhalb der Debatte.

Bauarbeiten und Verkehr: Die Bagger rollen weiter

Welche Straßen sind gesperrt? Wo entstehen neue Wohngebiete?
Die Themen Bau und Verkehr sind immer dann Garant für hohe Lesewerte, wenn sie im eigenen Umfeld der Leser passieren und bestenfalls Auswirkungen auf ihren Alltag haben.
Die SZ-Lokalredaktion Radebeul hat dies erkannt und ist mit einem Bericht über die Aufhebung einer Brückensperrung (PLUS) am 18.3. dem Bedürfnis vieler Pendler nach neuen Informationen nachgekommen.

Seit Jahren kämpfen die Bürger in Meißen dafür, dass ihr stillgelegtes Freibad wieder den Betrieb aufnimmt. Nun wird die Planung zu den Bauarbeiten konkret (PLUS), wie die ansässige Lokalredaktion am 13. März berichtet.

Tipp: Statistiken mit Muss-Themen verbinden

Es ist ein jährliches Ritual: Verwaltung, Unternehmen und Verbände veröffentlichen im ersten und zweiten Quartal ihre Jahresbilanzen. In Zeiten des Corona-bedingten Terminmangels kommt das mehr als gelegen — und bei den Lesern an. Jahrelange Messerfahrungen bei Lesewert zeigen: Vergleiche und Entwicklungen interessieren die Leser, geben Orientierung und verleihen Themen die nötige Relevanz.


Die Rheinpfalz in Speyer etwa berichtet am 17.3. über die Radunfallstatistik von 2019 und titelt “Geisterfahrer trüben die Statistik” (PLUS). Verkehr als Muss-Thema, dass alle Leser mehr oder weniger direkt betrifft und eine Datengrundlage, die keiner weiteren Recherche bedarf. Das spart Ressourcen und wird gelesen.

Natur und Umwelt: Eine Verbindung nach außen

Ob Bienen, Bäume oder der Klimawandel: Wie es unserer Umwelt geht, bewegt die Leser. Insbesondere in Zeiten von Corona-Ausgangssperren darf der Frühlingsbeginn daher gut und gerne Anlass sein, den Leser auf eine Reise ins Grüne mitzunehmen. Es lohnt sich, wie der Lesewert in der Dresdner Lokalausgabe vom 17.3. (PLUS) zeigt.

 

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