Gute Nachrichten in der Krise

Corona bestimmt die Nachrichten, Corona bestimmt den Arbeitsalltag der Zeitungsredakteure und Reporter. Obwohl, von Alltag kann keine Rede sein dieser Tage. Für die Redaktionen ist es gar nicht so leicht, zu entscheiden, wie sie berichten und ob es den Lesern nicht irgendwann zu viel wird mit schlechten (Corona)-Nachrichten. Gut, wenn man sich austauschen kann.

Lesewert hat am 2. April Chefredakteure und Blattmacher zur ersten verlagsübergreifenden Themenkonferenz eingeladen — um aus den aktuellen Lesewert-Messungen zu berichten, was Zeitungsabonnenten zurzeit lesen wollen. Und um von Best-Practice-Beispielen aus der Lokalberichterstattung zu erfahren. Im Meeting: Wilhelmshavener Zeitung, Fuldaer Zeitung, Zeitungsverlag Waiblingen, Lausitzer Rundschau, Mindener Tageblatt, Ostfriesenzeitung, Allgemeine Zeitung Mainz und Neue Osnabrücker Zeitung.

Leser suchen, was ihnen im Alltag hilft

Nach welchen Geschichten im Zusammenhang mit Corona suchen Leser wirklich? Zunächst einmal nach allem, was unmittelbar relevant für sie ist, das zeigen die aktuellen Lesewert-Messungen bei der Sächsischen Zeitung und der Rheinpfalz.

Sehr gut gelesen werden vor allem Texte, die wichtige alltagsrelevante Informationen bieten: Wie funktioniert eigentlich der öffentliche Nahverkehr und was muss ich als Fahrgast beachten? Wie pflege ich meine vom vielen Waschen rissigen Hände? Was ändert sich bei der Müll- und Grünschnitt-Entsorgung? Funktioniert sie überhaupt noch?


Auch das Thema Einkaufen und tägliche Versorgung steht bei den Lesern hoch im Kurs. Nicht nur im Zusammenhang mit Lebensmitteln. Die Baumärkte sind voll, dort wo sie öffnen dürfen. Wie fühlt sich das Einkaufen dort an? Wie wirkt es sich aus, dass plötzlich so viele Familien Zeit für Haus und Garten haben? Und dort, wo die Baumärkte geschlossen bleiben müssen: Wie kommt man an Baumaterial? Außerdem: Wie geht es den Gärtnereien und kann man dort Pflanzen kaufen?


Ebenso lesernah: das Thema Wochenmärkte. Leser hatten die Redaktion darauf aufmerksam gemacht, dass auf einem Wochenmarkt chaotische Zustände herrschten und die Abstandsregeln nicht eingehalten wurden, berichtet Yvonne Weirauch vom Zeitungsverlag Waiblingen. “Wir haben das Thema aufgegriffen und sind drangeblieben. Das Rathaus hat beim nächsten Mal Ordnungshüter geschickt und Zettel mit Verhaltensregeln verteilen lassen — und wir haben gleich noch eine Reportage geschrieben.”

„Die Themenliste wird täglich eher länger als kürzer“, bestätigt Benjamin Piel, Chefredakteur des Mindener Tageblatts.

Unser Zusammenleben verändert sich

Für die Leser immer wichtiger im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wird die Debatte über Veränderungen in unserem Zusammenleben. Das thematisieren viele Redaktionen. So berichtet die Sächsische Zeitung über eine Asiatin, die in Dresden auf der Straße angefeindet wird — als ob sie das Corona-Virus in die Stadt gebracht hätte. Die Wilhelmshavener Zeitung hinterfragt, wo im Zusammenhang mit den Corona-Verordnungen die Grenze zwischen sachdienlichen Hinweisen und unnötigem Anschwärzen verläuft.

Friedrich Roeingh, Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung Mainz, betont das große Interesse der Leser an den psychischen Auswirkungen der derzeitigen Situation. Die Redaktion lässt Experten zu Wort kommen und gibt damit Hilfestellung. Das Sorgentelefon für Leser hat Konjunktur, ebenso Selbstversuche (z.B. als Bahnfahrgast oder Essenslieferant) und Reportagen (z.B. aus dem leeren Stadtpark oder dem verwaisten Kneipenviertel).

Lichtblicke und Kurioses


All die Verbote, Beschränkungen und Verluste machen natürlich einen großen Teil der Corona-Berichterstattung auch in den Lokalteilen der Zeitungen aus. Aber ausschließlich schlechte Nachrichten? Damit möchte keine Zeitung die Leser beim Frühstück quälen. Die aktuellen Lesewert-Messungen untermauern diese Einschätzung der Blattmacher: Leser suchen ganz gezielt nach guten Nachrichten, nach konstruktiver, lösungsorientierter Berichterstattung, nach den kleinen Lichtblicken und Kuriositäten.

„Corona-Helden“ heißt eine Serie der Sächsischen Zeitung, die all jene vorstellt, die das Land am Laufen halten, von der Altenpflegerin bis zum Lieferservice-Fahrer. Die Lesewerte: stets hoch. Viele Zeitungen stellen diese Mutmacher derzeit vor. Und sie zeigen ihren Lesern all die Kuriositäten, die es ohne Corona nicht gäbe. Eine Hochzeit ohne Gäste zum Beispiel oder das tägliche Update aus dem Reporter-Homeoffice.

Die Welt abseits von Corona

Bei manchen Lesern sei inzwischen eine Übersättigung an Corona-Informationen zu beobachten, gibt Alexander Gies, Redaktionsleiter der Kinzigtal-Nachrichten bei der Fuldaer Zeitung, zu bedenken. “Da müssen wir aufpassen.” Aber was wollen die Leser abseits von Corona überhaupt noch wissen? Auch dazu hat die Lesewert-Themenkonferenz Beispiele zusammengetragen.

Natur und Garten stehen bei Lesern sehr hoch im Kurs. Beiträge über die erwachende Natur, Gartenpflege und Pflanztipps, über den Wald und Bienen kommen zurzeit sehr gut an. Ebenso das Thema Bauen und Stadtentwicklung. Welche Baustellen laufen noch? Was verändert sich in meinem Wohnumfeld. Gerade, wenn man sein häusliches Umfeld nicht verlassen darf, ist die Zeitung mehr denn je Schaufenster in die eigene Gemeinde.


Aufgrund der Corona-Pandemie ist ein weiteres interessantes Thema etwas in den Hintergrund gerückt: Vor 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Serien zum Kriegsende in der Region finden großes Leserinteresse bei der Rheinpfalz und auch bei der Wilhelmshavener Zeitung.


Die Redaktionen sorgen mit viele Ideen weiter für bestmögliche Information. „Die Menschen nehmen Zeitung nochmal ganz anders wahr. Wir bekommen Dankesmails, dass es uns überhaupt gibt“, sagt Gerd Abeldt, Chefredakteur der Wilhelmshavener Zeitung.

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