„Die digitale Transformation darf nicht zulasten der Printleser gehen“ - Ludwig Zeumer im Interview

Als Echtzeit-Analyse für Zeitungen und Magazine ist Lesewert seit fast 7 Jahren deutschlandweit in der Verlagsbranche unterwegs. 76 (Lokal-) Redaktionen haben in dieser Zeit via Scanstift authentische Rückmeldungen ihrer Leser erhalten. Geschäftsführer Ludwig Zeumer spricht über Kosten und Aufwand eines Lesewert-Projekts, gewährt Einblicke in Weiterentwicklungen und erklärt wie das Tool bei der digitalen Transformation helfen kann.

Geschäftsführer Ludwig Zeumer
Lesewert-Geschäftsführer Ludwig Zeumer beim diesjährigen European Newspapaer Congress in Wien. Credit: Medienfachverlag Oberauer/APA-Fotoservice/Schedl

 

 

 Herr Zeumer, im Moment sind drei Ihrer Coaches für zwei Abschlussauswertungen, unter anderem bei der Neuen Westfälischen in Bielefeld, unterwegs. Was steht als nächstes auf dem Projektplan des Lesewert-Teams?

Unsere Projektkoordinatorinnen stecken gerade in den letzten Vorbereitungen für die nächste Messung. Die beginnt bereits kommende Woche bei der Zeitungsgruppe Ostfriesland. Die Kollegen von der ZGO sind mit der 50. Lesewert-Messung sozusagen unsere Jubilare und wir freuen uns sehr auf das Projekt. Die Leser wurden bereits vor Ort mit der Technik vertraut gemacht. Von uns aus kann es also losgehen. Im Oktober stehen dann zwei weitere Messungen an. Dann messen die Neue Osnabrücker Zeitung zum zweiten und die Waiblinger Kreiszeitung zum ersten Mal mit uns.       

Wem vertraue ich da meine Zeitung eigentlich an? Wer steht hinter Lesewert?  

Lesewert ist neben unserer Leserauktion Auktio, das Kernprodukt der Mehrwertmacher GmbH. Wir sind 100-prozentige Tochter der DDV Mediengruppe in Dresden. Das Lesewert-Team ist mit Datenanalysten, Projektkoordinatoren, Entwicklern und erfahrenen Journalisten interdisziplinär aufgestellt. Unsere Mitarbeiter kommen neben der Verlagsbranche auch aus der IT.              

Wie aufwendig ist eine solche Messung eigentlich und was muss ein Verlag dafür investieren?

Die Verlage haben immer die Möglichkeit, einzelne Projektschritte teilweise oder komplett in Eigenleistung zu erbringen, z. B. die Akquise der teilnehmenden Leser. Für den Fall, dass wir alle Projektschritte durchführen, belaufen sich die Kosten bei der 2-monatigen Messung einer Ausgabe ab 2020 nur noch im mittleren fünfstelligen Bereich. Denn wir entwickeln unsere Prozesse ständig weiter, um die Kosten und den Aufwand für unsere Kunden zu minimieren. Zwei Beispiele: Demnächst wird ein sogenannter Clippingdienst die bisher für jedes Projekt individuell programmierte Schnittstelle ersetzen. Machbarkeitsanalyse und Implementierung, wie sie aktuell noch nötig sind, fallen damit weg. Außerdem soll nächstes Jahr unsere Lesewert-App in den App- bzw. Playstore kommen. Dann können die Lesewert-Teilnehmer ihr Feedback mit ihren eigenen Smartphones an uns versenden statt wie bisher über Miet-Handys. Auch dadurch wird ein Projekt deutlich günstiger.

Mit Lesewert erfahren Verlage in Echtzeit, wo sie mit ihren Printprodukten gerade stehen. Stichwort „digitale  Transformation“ – kann Lesewert auch dabei helfen?

Absolut! Wir haben die Sächsische Zeitung mit Lesewert beim Pilotprojekt „Online first“ in den Lokalredaktionen Löbau und Zittau unterstützt. Dort wurden die Lokalteile zusammengeführt, um Ressourcen für das Digitale freizumachen. Dabei mussten lokale Inhalte für die Online-User natürlich neu gedacht werden. Mit Lesewert haben wir die Umstellung mit Echtzeit-Messungen begleitet und dabei das Interesse der Print-Leser überwacht. Denn die Transformation hin zum Digitalen darf nicht zulasten der treuen Abonnenten der Printausgabe gehen. Nur wenn diese weiterhin für sie relevante Inhalte in ihrer Zeitung finden, werden sie bereit sein, auch weiterhin für lokalen Journalismus zu bezahlen. Das hat die Sächsische Zeitung mit unserer Unterstützung geschafft. Die Printleser nutzen den neuen Lokalteil nach der Umstellung auf Online first sogar noch intensiver.

Wie kann Lesewert Verlage, neben den gängigen Messungen, eigentlich noch unterstützen? 

Wir haben durch die vielen Messungen wertvolles Wissen über die Leser und ihre Bedürfnisse aufgebaut, das wir mit Redaktionen in Workshops und Beratungsangeboten teilen. Wir bilden Redakteure und Nachwuchs-Journalisten weiter und setzen dabei verschiedene Schwerpunkte wie Textpräsentation oder Themenrelevanz. Die Erkenntnisse, die unsere Redaktionscoaches dort vermitteln, können die Journalisten direkt in ihrem Redaktionsalltag anwenden. Außerdem haben wir in all den Jahren viel Know-how in der Analyse und Visualisierung von Daten und vor allem ihrer Interpretation gesammelt. Damit können wir für online, E-Paper und Print aussagekräftige Dashboards erstellen.  

 Im Juni haben Sie eine Kooperation mit der dpa-digital services GmbH bekannt gegeben. Demnach soll Lesewert künftig auch in digitalen Ausgaben zum Einsatz kommen. Wie darf man sich das vorstellen?

Die dpa-digital Services GmbH bietet mit der Mobile Publishing Suite eine App, die Inhalte von Zeitungen und Magazinen über Tablets und Smartphones ausspielt. Verlage, die für ihre E-Paper und Tablet-Ausgaben auf diese Lösung zugreifen, werden künftig durch die Schnittstelle zu Lesewert sofort eine Printmessung starten können, ohne aufwändige technische Vorbereitung. Auch die E-Paper-Nutzung soll künftig via Lesewert analysiert und mit Print-Daten abgeglichen werden. Für Lesewert ist das der Einstieg in die Analyse digitaler Inhalte.   

Die Sächsische Zeitung misst ihre Dresdner Ausgabe seit 7 Jahren ohne Unterbrechung. Haben auch andere Verlage Interesse an einer Dauermessung und wie lässt sich eine solche Messung umsetzen, ohne dass dabei die Kosten explodieren?

Tatsächlich hat der eine oder andere Kunde bereits nach einer dauerhaften Lösung bei uns angefragt. Auch deshalb arbeiten wir aktuell am Konzept eines „flexiblen Panels“, das durch Weiterentwicklungen, wie der bereits erwähnten neuen App oder einer Landingpage zur Selbstregistrierung der Teilnehmer, Lesewert kostengünstiger und noch effektiver machen soll. Zudem sollen auch Nicht-Abonnenten künftig Feedback geben können, was für Zeitungen besonders attraktiv sein dürfte.      

Ich bin Chefredakteurin einer Regionalzeitung und möchte so schnell wie möglich das aktive Leserfeedback nutzen. Wie schnell ist eine Messung in meinem Verlag aktuell umsetzbar?

Für eine Lesewert-Messung müssen nicht nur wir, sondern auch die Verlage selbst entsprechende Vorbereitungen treffen. Geht es nach uns, könnte eine Lesewert-Messung 2 bis 3 Monate nach Auftragsbestätigung starten.

Die bisher wichtigste Lesewert-Erkenntnis des Jahres 2019?

Die für mich wichtigste Erkenntnis kommt tatsächlich aus dem Transformationsprozess bei der Sächsischen Zeitung. Und die heißt: Bei der Umsetzung einer Online-first-Strategie fürs Lokale in einem ländlichen Raum lassen sich junge Digital-Leser gewinnen, ohne dabei das ältere und treue Printpublikum zu verlieren. Wenn sich Redakteure für die richtigen Inhalte entscheiden, sind die Leser auf allen Kanälen zufrieden.   

 

Sie interessieren sich für die digitale Transformation lokaler Redaktionen? Dann legen wir Ihnen dieses Video vom European Newspapaer Congress ans Herz. Lesewert-Geschäftsführer Ludwig Zeumer, SäZ-Chefredakteur Uwe Vetterick und Lokalchef Thomas Mielke sprechen über das Pilotprojekt „Online first“ in Löbau und Zittau.  

 

Sie wollen wissen, wie Verlagshäuser ihre Printausgaben mit Unterstützung von Lesewert optimieren? Dann lesen Sie in unserem Blog über die Zusammenarbeit zwischen der VRM und Lesewert. 

 

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