Besonders #Lesewert: Flammender Appell, Push-up-BHs und der neue Journalismus

Der Journalismus verändert sich rasant: Er verliert seine Gatekeeper-Funktion, er muss stimulierende Schlagzeilen liefern, er droht von rasender Oberflächlichkeit überholt zu werden. Wo soll das alles hinführen? Drei prominente Vertreter der Zunft haben sich dazu Gedanken gemacht und teilen ihre Erkenntnisse in überaus unterhaltsamer Weise mit uns.

Comedian John Olivers flammender Appell für den Lokaljournalismus:

„Früher oder später müssen wir anfangen, für Journalismus zu bezahlen – oder wir werden es bereuen.“

„Medien sind eine Nahrungskette, die auseinanderfällt, wenn es keine Lokalzeitungen mehr gibt.“ Das sagt John Oliver, der brillante Komiker und Gastgeber der US-Late-Night-Show „Last Week Tonight with John Oliver“. Jede Woche nimmt er sich in einer satirischen Betrachtung ein aktuelles Thema vor und blickt dabei regelmäßig weit über den nordamerikanischen Tellerrand hinaus. So auch in diesem Fall. Denn auch wenn er auf Beispiele aus den USA zurückgreift, ist sein leidenschaftliches Plädoyer für die Bedeutung des gedruckten Lokaljournalismus mühelos auf Europa und Deutschland übertragbar.

19 höchst lohnenswerte Minuten!

Medien-Blogger Stefan Niggemeier zur neuen Rolle des Journalismus

"Nicht nur die Welt, auch sich selbst erklären."

Wie also müssen sich Lokalzeitungen im Speziellen und Medien im Allgemeinen aufstellen, um für die Zukunft gewappnet zu sein? "Sie müssen anders sein, wenn sie eine Chance haben wollen gegen das, was man auf allen möglichen Wegen aus allen möglichen Quellen gratis im Netz findet", schreibt Medienjournalist Stefan Niggemeier. Er hat sich in einem bemerkenswerten Essay für "Aus Politik und Zeitgeschehen", dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, mit der veränderten Rolle des Journalismus auseinandergesetzt. Zentrale Thesen:

  • "Die klassischen Medien haben in vielfacher Hinsicht ein Monopol verloren, ihre Gatekeeper-Rolle."
  • "Die einzige Chance für Qualitätsjournalismus besteht darin, dass er seine Andersartigkeit täglich neu beweist: durch handwerklich saubere Arbeit – das Recherchieren und professionelle Aufbereiten von Informationen – und dadurch, dass er sich erklärt, Rechenschaft ablegt, kommuniziert."
  • "Was ein Medium glaubwürdig und vertrauenswürdig macht, ist nicht nur Demut, sondern auch Selbstbewusstsein."

Niggemeier geht auch auf das neue Genre des "Hausbesuchs" ein, mit dem verschiedene Medien zuletzt auf Tuchfühlung zu ihren Lesern gingen: "Es waren Erkundungen und Erkundigungen, Versuche einer Verständigung und eines Dialogs. Das war gut oder mindestens gut gemeint, aber es wirkte auch wie ein Armutszeugnis: dass sich die Journalisten dem Publikum nähern mussten wie fremden Wesen, und dass sie das so spät taten."

Selten war Verständnis für die Bedürfnisse der Leser so wichtig wie heute. Auch Lesewert kann ein Instrument sein, sich ihnen zu nähern.

Stefan Niggemeier:
"Nicht nur die Welt, auch sich selbst erklären. Zur Rolle des Journalismus heute"

 

Peter Praschl, Feuilletonist bei der WELT, über die Stimulation durch Schlagzeilen:

„Überschriften sind die Push-up-BHs im Journalismus“

Jüngst veröffentlichte die Columbia University den bezeichnenden Befund, dass 59 Prozent aller auf Twitter geteilten Artikel nie gelesen werden. Ausgehend von dieser „Hiobsbotschaft“ nimmt sich WELT-Autor Peter Praschl den Journalismus von heute und seine Angewohnheit vor, sich auf den ersten Eindruck zu verlassen:

Unglücklicherweise fällt es Journalisten schwer, einen guten ersten Eindruck zu machen, weil die Anforderungen an sie so ungerecht hoch geworden sind. Sie sollen solide sein und die Fakten gecheckt haben, diese aber nicht nur stumpf aufschreiben, sondern eine packende Geschichte erzählen, einen Standpunkt einnehmen, ohne dabei belehrend rüberzukommen, und langweilig dürfen sie auch nicht sein.

Ist es legitim, sich deshalb bei Schlagzeilen aufs Ansprechen der „niedrigsten Instinkte“ zu verlassen, wie Praschl schlussfolgert? Auch wir von Lesewert stellen uns diese Frage immer wieder: Wie lässt sich eine wirksame Überschrift formulieren, die den journalistischen Anspruch nicht unterläuft und ein Versprechen abgibt, das der Text auch hält?

Praschls Annäherung ist erhellend, bisweilen bedenklich und unbedingt unterhaltsam. Seine Überschrift? Geht so. Aber mit dem Vortext hat er uns gekriegt. Ob’s an den niedrigen Instinkten liegt?

Peter Praschl:
"Das passiert, wenn ich nur noch Überschriften lese"

 

#Lesewert-Top-Artikel aus dem Juli und dem August

Die Artikel sind zum Teil kostenpflichtig, was wir gut finden. Denn Qualitätsjournalismus ist sein Geld wert!

"Die Enttäuschung der Flüchtlingshelfer", weil das Thema nichts an Emotionalität eingebüßt hat
Sächsische Zeitung Dresdner Land, Lesewert 52 % (kostenfrei)

„Der Illusionist und das Geld“: Seite 3 über die Finanzprobleme der Dresdner Zirkusdynastie Sarrasani
Sächsische Zeitung, Seite 3, Lesewert 36 %

„Unter Gartenzwergen“, Feldenkirchen-Kolumne zur AfD
Der SPIEGEL, Wirtschaft, Lesewert 58 %

„Angela May und Theresa Merkel“, ein britischer Finanzexperte im Interview zum Brexit, bemerkenswert
Der SPIEGEL, Wirtschaft, Lesewert 51 %

„Das fliegende Auge“, Was man über Dronen wissen muss
Luxemburger Wort, Lokales, Lesewert 37 %

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